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Kleines Gedankenspiel zum Unterhaltsvorschuss
#10
Moin Barbouille.

Dein Gedankenspiel ist bei mir Realität geworden mit dem Ergebnis, dass ich seit drei Wochen meine Kinder kaum noch sehe. Meine Ex hat - anders als Du - keine Notwendigkeit gesehen, mich vor zwei Jahren in ihre Win-Win-Pläne einzubeziehen - sie hat einfach UhV beantragt und die Unterhaltsvorschusskasse hat mich ab diesem Zeitpunkt emotionslos in Verzug gesetzt. Bis heute sind schon über 12.000 € aufgelaufen. 

Ihre Argumentation dabei war ähnlich: ich sei ja nicht leistungsFÄHIG, also würde ich auch keine Schulden machen. Der entscheidende Punkt, den auch Du massiv unterschätzt, ist folgender: der Unterhaltspflichtige muss seine Leistungsunfähigkeit nachweisen. Reicht das Einkommen nicht aus, muss er nachweisen, dass er sich nach Kräften bemüht, bezahlte Arbeit zu finden. Ein Studium ist keine Arbeit und bezahlte Arbeit ist vorrangig, etc, etc. Das Prozedere der UhV-Kasse ist ähnlich wie vom Jobcenter bei Hartz4-Bezug. Der psychische Druck ist groß, es ist entwürdigend und hat weitreichende Folgen in alle möglichen Lebensbereiche.

Dein Ex betreut seit x Jahren euer Kind zusammen mit dir. Er ist Erziehungsperson und keine Wochenendbespaßung. Das sind Jahre der Erziehungsarbeit, über die wir uns von Frauen üblicherweise jede Menge Geheule wegen Benachteiligung in Karriere, Altersversorgung, etc. anhören müssen. Als Langzeitstudent hat dein Ex bestimmt noch nie einen Gedanken daran verschwendet, dass seine Erziehungsarbeit in seiner Lebensleistung nicht angerechnet werden wird. Das Kind ist jetzt 12, d.h. das Gröbste ist geschafft. Eure Tochter gestaltet ihr Leben nun mehr und mehr selbstbestimmt. Das ist das Ergebnis eurer Erziehung und das ist gut so. Jetzt hat das Kind noch etwa 6-10 Jahre bis zur vollständigen Selbstständigkeit. Hier eine gewagte Perspektive, wenn Du erlaubst: der Abnabelungsprozess nimmt bei euch Fahrt auf. In eurer Situation heißt das: das Kind kann sich von seinem Vater bei der Gestaltung seiner Wohnsituation leichter lösen; bei dir wird dieser Schritt ein Paar Jahre später stattfinden, etwa zu dem Zeitpunkt, wo er auch bei zusammenlebenden Eltern stattfindet. In dem Fall allerdings sind beide Eltern rechtlich zu jeder Zeit gleichgestellt. Die aktuell veränderte Situation macht deinen Ex rechtlich zum Unterhaltspflichtigen. Dies möchtest Du jetzt nutzen, um euch finanziell durch Unterhaltsvorschuss besser zu stellen (wobei ich kaum glaube, dass Du daran denkst, den Vater evtl. an dem Zusatzeinkommen teilhaben zu lassen). Das ist ein vergiftetes Geschenk des Staates. Wenn es sein muss, dann fordere ihn lieber direkt und persönlich auf, an seiner Einkommenssituation etwas zu verändern und lagere diese Aufforderung nicht auf den Staat aus. Der ist nämlich nicht so nett wie du.

Ich kann dir sagen, was ich in der Situation mit Streitigkeiten um Unterhaltsvorschuss gefühlt habe: keinerlei Wertschätzung, mithin Verachtung. Ich habe jahrelang Erziehungsarbeit geleistet, jetzt stellt der Staat unerwartet Geld zur Verfügung, dazu sind die Kinder aus dem Gröbsten raus, d.h. auf meine Betreuungszeit nicht mehr angewiesen, also: Vater entsorgen und zum Arbeitsdienst verpflichten! Dieses Gift hat unsere Familie (auch Trennungsfamilien sind Familien!) praktisch zerstört. Erwarte nicht, dass dein Ex aus Teflon ist und seine Beziehung zu eurer Tochter nicht massiv Schlagseite bekommt. Je nachdem wie schlimm - vor allem seitens JA&Co - mit ihm umgesprungen wird, kann das zum totalen Kontaktabbruch führen.

Langer Rede kurzer Sinn: wenn dein Ex kein Arschloch war, das Du - für was auch immer - bestrafen musst: LASS ES. Sonst ist eure Familie evtl. das nächste Opfer des neuen Unterhaltsvorschussgesetzes.

VM Cool

Als Ergänzung: Wir praktizierten bis vor drei Wochen ein paritätisches Wechselmodell, nur dass die Kinder eben bei meiner Ex gemeldet sind, die zwei Türen weiter wohnt.
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RE: Kleines Gedankenspiel zum Unterhaltsvorschuss - von Vater Morgana - 12-09-2019, 10:40

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