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Situation in Norwegen - Druckversion

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Situation in Norwegen - p__ - 26-11-2008

Mal wieder ein Blick über die Grenzen, diesmal Norwegen. Aufgrund der vielen deutschen Familienrechts-Sonderwege verliert man sonst leicht das Gefühl dafür, was andernorts normal ist. In Norwegen wurde vieles sehr konkret und explizit ins Gesetz geschrieben, was bei uns Gerichte nach Belieben interpretieren.
  • Null Betreuungsunterhalt für nichteheliche Mütter. Die deutschen Regelungen rufen völligen Unglauben bei Norwegern hervor.
  • Das "gewöhnliche" Umgangsrecht ist per Gesetz (!) ganz konkret geregelt: Jede Woche einen Nachmittag plus alle 2 Wochen ein ganzes Wochenende, 2 Wochen im Sommer, Weihnachten oder Ostern, sowie eine gesetzliche Verpflichtung, bei Änderungen rechtzeitig Bescheid zu geben.
  • Alle Fahrtkosten werden zwischen den Eltern geteilt.
  • Die Kinder haben das Recht, grundsätzlich mitzuwirken. Ab 7 Jahren Kindesalter ist das Vorschrift. Ab 12 Jahren hat der Kindeswille ausdrücklich grosses Gewicht.
  • Eltern mit Kindern unter 16 Jahren müssen vor einer Eheaufhebung und jedem Verfahren zum Sorge- oder Umgangsrecht eine Schlichtung machen und haben darüber ein Attest vorzulegen. Persönliche Anwesenheit ist vorgeschrieben, man kann keinen Anwalt hinschicken. Mindestdauer Schlichtung: Drei Stunden.
  • Weitere Schlichtungen, wenn das ein Richter für nötig hält.
  • Das Gericht kann ein Zwangsgeld festsetzen, das jedesmal verwirkt ist, wenn das Umgangsrecht nicht eingehalten wurde - ohne weitere Entscheidung.
  • Ehen können vom Fylkesmann oder dem Gericht aufgehoben werden. Es ist eine Aufhebung, keine Scheidung. Danach sind beide "ledig", nicht "geschieden". Kein Anwaltszwang, keine Gebühren beim Fylkesmann.
  • Unterhalt für Kinder grundsätzlich nur bis zur Volljährigkeit.
  • Kindesunterhalt wird dort versteuert, wo er landet - beim Berechtigten, nicht beim Pflichtigen.
  • Berücksichtigung beider Elterneinkommen beim Kindesunterhalt.
  • Natürlich gemeinsames Sorgerecht, egal ob die Eltern verheiratet waren oder nicht. Recht auf Erziehungsurlaub auch für nichtverheiratete Väter.
  • Für Unterhalt an den Ehepartner gilt teilweise das Schuldprinzip. Kein Unterhalt an Ehebrecher. Ansonsten maximale Unterhaltsdauer: 1 Jahr.

Quellen
- Bergmann/Ferid/Henrich, Internationales Ehe- und Kindschaftsrecht, Teil XIII, Stand: 30.9.2004, S. 72 ff.
- Deutsche Botschaft Oslo http://www.oslo.diplo.de
- Kontakte zu Norwegern
- Informationen norwegischer Trennungshilfen wie http://www.regjeringen.no/upload/kilde/bfd/bro/2000/0008/ddd/pdfv/258469-separation_and_divorce_-2005.pdf und der Fylkesmannen http://www.fylkesmannen.no


RE: Situation in Norwegen - beppo - 26-11-2008

Es könnte so einfach sein!


RE: Situation in Norwegen - Al Bundy - 26-11-2008

Ich hab ja die letzten 18 Monate in Skandinavien gearbeitet.
Es ist wahr, dort sind wir mit unseren Gesetzen Exoten.

Die lassen sich aber auch nicht reinreden. Hier werden die Deutschen auf Granit beissen. Unsere Gesetzgebung lässt sich dort nicht umsetzen.

Der skandinavische Mann gibt seine Rechte nicht auf.

Al Bundy, jetzt sicher in islamischer GesellschaftSmile


RE: Situation in Norwegen - mahal - 27-11-2008

warum kann das in germanistan nixht so sein?


RE: Situation in Norwegen - p__ - 27-11-2008

Die anderen skandinavischen Ländern haben übrigens alle ähnliche Regelungen.

Zitat:warum kann das in germanistan nixht so sein?

Weil die Erde eine Scheibe ist, alles andere ist unmöglich und undenkbar. Die Experten in Rechtspflege und Politik wissen das. Du wirst doch nicht etwa daran zweifeln? Feindsender gehört? Gleich mal eine Hausdurchsuchung bei dir machen.


RE: Situation in Norwegen - ali mente - 27-11-2008

Es wäre wirklich wünschenswert, dass unsere Politiker auch mal über den Tellerrand schauen.

Vielleicht fürchten auch einige Familienrichter um ihren Job - aufgrund der geringeren Auslastung, würden nicht mehr so viele benötigt.

Ich habe gestern wieder einen Artikel gelesen "Deutschland schrumpft". Ich könnte mir vorstellen, bei bei einer derartigen Regelung auch kein Mann um seine Existenz fürchten muss und gezwungen wird, das Land zu verlassen.

Außerdem würden durch diese, für beide Seiten, annehmbare Regelungen auch dazu führen, dass weniger Streit und Hass zwischen den Parteien entsteht, welches nur dem Verhältnis zu den Kindern zu gute kommen würde.

Da fragt man sich wirklich, wie arrogant und blöd sind unsere Politiker.


RE: Situation in Norwegen - Ralf G. - 27-11-2008

(27-11-2008, 09:29)ali mente schrieb: Außerdem würden durch diese, für beide Seiten, annehmbare Regelungen auch dazu führen, dass weniger Streit und Hass zwischen den Parteien entsteht, welches nur dem Verhältnis zu den Kindern zu gute kommen würde.

Aber am Hass und am Streit ist am Meisten zu verdienen! Und wenn zwei sich streiten - sagte meine Oma schon - freut sich der Dritte

und ich ergänze: und Vierte und Fünfte ... eine ganze Industrie lebt davon.


RE: Situation in Norwegen - p__ - 27-11-2008

Man muss sich aber auch darüber im klaren sein, dass die Deutschen sich das alles unwidersprochen von ihrer Machtclique bieten lassen und grösstenteils sogar selber glauben, was ihnen von denen erzählt wird. Wahrscheinlich würde die Mehrheit z.B. das Mantra von der Scheidung vor Gericht nachplappern, während es anderswo komischerweise gegen 50 EUR Gebühr im Standesamt geht. Selbst die grundlegenden Dinge wie das gemeinsame Sorgerecht für Eltern locken keinen Hund hinterm Ofen hervor. Die Petition dafür hatte 2000 Unterschriften. Eine echte Reform des Unterhaltsrechts wäre nicht im entferntesten vorstellbar, das wäre etwa so schwierig wie eine kommunistische Parteigründung im dritten Reich.

Man erntet Unglauben und ein "das kann doch unmöglich funktionieren", wenn man Norwegern das deutsche Familienrecht beschreibt und Deutschen das Skandinavische.

Deshalb muss man tiefer ansetzen, bei der Bewusstseinswerdung. Immer wieder vergleichen, erst durch den Kontrast enthüllt sich der riesige Abstand der deutschen Sonderwege zu den Lösungen anderswo. Wenn es opportun ist, benutzen die Politikerinnen diese Taktik selbst, z.B. Leyen beim Elterngeld, wo sie immer auf das schwedische Vorbild verwiesen hat.


RE: Situation in Norwegen - borni - 27-11-2008

(27-11-2008, 11:11)p schrieb: Deshalb muss man tiefer ansetzen, bei der Bewusstseinswerdung.

In der SZ wurde vor kurzem ein Anwalt zitiert, dass vor allem junge Leute heute vor der Hochzeit einen Ehevertrag abschließen.
Allerdings kam es in seiner Kanzlei auch schon mal vor, dass die Beziehung beim Aushandeln eines Ehevertrags in die Brüche ging. "Die Paare sind gezwungen, mögliche Streitfälle zu antizipieren - das lässt so manche Beziehung bereits vorzeitig platzen."


RE: Situation in Norwegen - die norwegerin - 27-11-2008

Hallo!
I understand german well, but i prefer to answer in english...
I live in Norway, 32 years old... I can verify that most of this information is right (some mistakes and i come back to this later).
The father to my kids (3 and 6 years old) is german and we split 2 years ago.
He had two kids from an older relationsship (now 13 and 14 years old)

When we split i could (as the Unterhaltsempfaengerin) choose if i wanted the german or the norwegian Unterhaltsrecht as the counting law for our kids (due to the Luganoconvention). I had no doubts...: The norwegian law!
In praxis it means less money for me and "less" rights for me as a singlemother compared with the germans... So what?? The norwegian system is LOGIC and fair. The kids don't belong to ME alone!!

I think there is one basic difference between the german and the norwegian women: We are too proud to sit on our asses and recieve BU and huge KU from the ex. We wanna work to make our own living. The basic common knowledge to be respnsible for your own life is a value we carry with us... (of course we have some lazy singlemothers as well, but at least the father is not paying for them).

With two kids I work fulltime, and I always did since the kids turned 11 months. This is for me natural. And I'm laughing about the mothers in Germany -housewives for 4-5-6 years after the kids are born. And work teilzeit until the kids are 14 years... I can't belive it!! Are we living in the 60's?? There is NO problem to work fulltime when the kids are young, and it's only housewives that scream the kids are doing best at home holding the mother hands...
With this attitude I was able to buy my own house (I only have an average income ca. 40.000 € a year) and I have all i need in life, and I'm NOT depending on a man!)

For two kids I recieve 170 € a month from the father (this is payed to a closed account til the kids are 20 years). The lazy mother in Germany get 288 € for ONE kid!! (576 for both) and still she complains that he "only" pay the mindestunterhalt! It's unbeliveable! She gets ALGII, has a new man with money and the are living a great material life with a lot af travelling and money... She didn't really work since a long time (only some here and there, low-payed jobs. But she has no idea about a normal 40 hours week, 48 weeks a year) How embarassing for her...to live from other peoples money!
Tempting for me to change to the german rights to get more money?? Not for one single second!!!!! Unfair?? Absolutely! i'm only afraid my kids are going to react if the ever gonna know the father payed much more for his first two kids than them... But i'm proud of the way I chose, and i never thought it's wrong.

My vision and aim in life is not to rip of the father. I want him to have a good life as well, be happy and manage to give his kids a decent time when they visit him. Unfortunately his former ex have the opposite way of thinking- and make it very difficult with umgang on top...


I'm still after 10 years shocked about the german unterhaltssystem and I read this forum (still) many times a week. And i find it hilarious, terrible and extremely unfair-
I feel so sorry for all of you out there paying a fortune in unterhalt a year to a mother that lives like a queen compared to yourselves and (almost) never see your OWN KIDS. I'm really wondering what's wrong in Germany and with the women there. I'm not for one second defending this type of "mothers".


And still i'm only able to think...: I just CAN'T belive it!!


RE: Situation in Norwegen - p__ - 27-11-2008

Vielen Dank. Sehr interessant. Wenn du mal dazukommst, schreib doch etwas über die Fehler in der obigen Auflistung, damit wir sie korrigieren können. Meine Quellen sind leider schon ein paar Jahre alt und es ist auch schon ein paar Jahre her, dass ich in Norwegen war, was ist der aktuelle Stand? Sie die 170 EUR Kindesunterhalt für zwei Kinder ein üblicher Betrag?


RE: Situation in Norwegen - VOLKSGERICHTSHOF - 27-11-2008

ich schließe mich dem an. respekt!

es kommt mir vor wie ein traum, wenn ich das so lese. ein alptraum allerdings in germanistan.

die deutschen frauen und der staat haben schließlich ein einfühlsames händchen um existenzen zu zerstören. aus deutscher sicht völlig normal und absolut uneinsichtlich.

schön, dass mal eine ausländische sichtweise zum vorschein kommt.

ich frage mich nur, wie länder, in denen es ein vernünftiges familienrecht gibt, die gesetze von banistan durch irdenwelche ominösen abkommen unterstützten. wenn die haftstrafen auf lebenslänglich erhöhen und milliarden an unterhaltssümmchen fordern , dann nicken die anderen staaten das brav wie ein wackeldackel ab ?

Smile


RE: Situation in Norwegen - die norwegerin - 27-11-2008

"Kindesunterhalt wird dort versteuert, wo er landet - beim Berechtigten, nicht beim Pflichtigen."
This is not right- the person that pay the unterhalt is paying taxes. The reciever of the unterhalt get the money taxfree.... The rest is as far i know -correct

170 €for two kids is for us in our situation normal, because i earn ok money, but my german ex (now back in Germany) earns a little compared with me (23.000 € a year)... And it is as you write a calculation between what I earn and him. We agreed to keep every Amt out of the calculation, and we found the betrag together without any further discussion. This is more and more normal in Norway. He also didn't pay anything the first year (our agreement) because he was such in a difficult economical situation (He don't get any schulden because of this of course...) Reisekosten connected to umgang is split 50/50. And if he don't have much money I pay this alone, because I WANT MY KIDS TO SEE THEIR FATHER! Simple as it is...

But in general is 170€ fot two kids not really much, but 576 € for two is extremely high here, and the father would then earn a lot, and the mother just a little before so high KU is used... And we should then not forget that it costs a lot more to have kids in Norway than in Germany. Most of the costs for living is about the double... To see that 576 € is the mindestunterhalt for two kids in Germany is laecherlich!!! And on top the woman get 304 € kindergeld... Man o man... 880 € a month for two kids is what a german mother GETS from others sources than her own... Incredible!!

But the main way of thinking in norway is how much the father and the mother earns. If the mother earn double as much as the father, she is also supposed to pay double of what the child is supposed to cost (as it also hopefully would have been if the mother and father still would be together!) Einkommen in Norway is not a Staatsgeheimnis, and is just fair like this! The einkommen of the mother is highly relevant.


RE: Situation in Norwegen - p__ - 27-11-2008

Die Berücksichtigung beider Elterneinkommen ist ein allgemeiner Trend, auch in Italien wurde das eingeführt.

Die Frauen in Deutschland empfinden die Unterhaltsflüsse zu ihren Gunsten meist als selbstverständlich und zu niedrig, bösen Willen vermute ich aber nicht immer dahinter. Das ganze Familienrecht ist seit es existiert eben immer extrem stark auf finanzielle Zahlungen ausgerichtet und wird daran gemessen. Nach hundert Jahren Unterhaltswahn empfindet das die ganze Gesellschaft als völlig normal und selbstverständlich, nur wenige können sich überhaupt vorstellen dass es auch anders geht. Unterhalt ist in Deutschland wie ein Naturgesetz.

Der Staat selber benutzt diese Pflichten und baut sie eigennützig aus. Alle Sozialleistungen sind ausnahmslos nachrangig. Jeder Euro Unterhalt führt dazu, dass der Staat Sozialleistungen verweigern kann. Für den Staat ist das ein äusserst lukratives Geschäft, über das Unterhaltsrecht versprochene eigene Leistungen einzusparen. Er treibt den zivilrechtlichen Unterhalt dann sogar selber ein und setzt ihn möglichst hoch durch. Übers Steuerrecht wird er sogar zum direkten Mitempfänger von Unterhalt. Kalkuliert wird dabei traditionell nur nach ganz kurzfristig nötigen Sozialausgaben, Opportunitätskosten aller Art werden völlig ausser acht gelassen.

Auch andere profitieren, die Trennungsindustrie mit ihren Milliardenumsätzen weiss es zu verhindern, dass echte Reformen stattfinden.

Sind sich die Skandinavier bewusst, was sie erreicht haben? Wie sehr ist bekannt, was in Mitteleuropa, Deutschland, Österreich, Schweiz in Sachen Familie abläuft?


RE: Situation in Norwegen - beppo - 27-11-2008

Hallo Norwegerin,

gut, dass es Frauen wie dich gibt!

Und gut, dass du nicht die Einzige bist!

Gruss Beppo


RE: Situation in Norwegen - lordsofmidnight - 13-12-2008

Noch einige Informationen zu Norwegen von offizieller Stelle:

Immer mehr norwegische Kinder leben bei ihren Vätern. Die Zahl der alleinerziehenden Väter steigt. Eine neue Statistik zeigt, daß knapp 30.000 Kinder ständig bei ihren Vätern leben.

http://www.norwegen.no/policy/children/kinder.htm


Sozial- und Gesundheitsstatistiken zeigen, dass das Leben in der westlichen Gesellschaft Männern einen hohen Preis abverlangt. Männer sind bei Drogenabhängigen und Gefängnisinsassen überrepräsentiert. Die Lebenserwartung von Männern ist im Vergleich zu Frauen kürzer. Jungen zeigen mehr problematische Verhaltensmuster in der Schule als Mädchen, und sie bilden einen höheren Anteil von Schülern, die in der Grundschule ausgleichende Maßnahmen benötigen. Die Quote von Schulabbrechern ist bei Jungen höher als bei Mädchen.


Die Tatsache, dass Kinder in Betreuungseinrichtungen, in der Schule und in der Familie sowohl männliche als auch weibliche Bezugspersonen brauchen, ist gründlich belegt. Aus einer Perspektive der Gleichheit der Geschlechter betrachtet, gibt es Besorgnis darüber, dass Tagesbetreuungseinrichtungen und Schulen von Frauen dominierte Umgebungen bleiben. Männer machen nur 7% des Gesamtanteils an der Belegschaft norwegischer Tagesbetreuungseinrichtungen aus und 12 % der Lehrerschaft im unteren Grundschulbereich (Zahlen aus dem Jahr 2002). Die Regierung beschäftigt sich damit, das Bewusstsein zu schärfen und größere Ausgewogenheit der Geschlechter in diesem Bereich zu fördern,und hat sich einen Mindestanteil von 20% Männern an der Belegschaft von Tagesbetreuungseinrichtungen bis zum Jahr 2007 zum Ziel gesetzt.

Im Jahre 2002 wurde für die Bemühungen um Geschlechtergleichheit ein staatlich gefördertes Hilfszentrum für Männer, REFORM, eingerichtet, das dabei helfen soll, die Lebensbedingungen für Männer zu verbessern und die Ressourcen der Männer auf solchen Gebieten zu mobilisieren, die traditionell nicht mit der männlichen Geschlechterrolle verbunden sind.

http://www.norwegen.no/policy/gender/male/male.htm


85 Prozent der norwegischen Väter nutzen den einen Monat langen Papi-Urlaub, der ihnen nach der Geburt eines Kindes zusteht.
(Inzwischen verlängert)

Elin Kvande, Professorin der Soziologie an der NTNU, ist eine von zwei Forschern, die hinter dem norwegischen Teil der Studie stehen. Sie ist der Auffassung, dass die Zeit überreif ist, den norwegischen Vätern eine längere Beurlaubung zu geben, schreibt die Dagsavisen.

- Unsere Untersuchungen belegen, wenn gewünscht wird, dass Väter häufiger die Beurlaubung nutzen, muss man den Vätern Sonderrechte einräumen, so daß Teile der Beurlaubung dem Vater vorbehalten sind. Wenn man geschlechtsneutrale Regelungen schafft, wird das Muster aufrechterhalten, bei dem die Frauen die Beurlaubung nutzen, teilt Kvande der Dagsavisen mit.


http://www.norwegen.no/policy/gender/paternalleave.htm


RE: Situation in Norwegen - karlma - 13-12-2008

(13-12-2008, 18:23)lordsofmidnight schrieb: - [b]Unsere Untersuchungen belegen, wenn gewünscht wird, dass Väter häufiger die Beurlaubung nutzen, muss man den Vätern Sonderrechte einräumen, so daß Teile der Beurlaubung dem Vater vorbehalten sind

Nein! Sonderrechte sind überhaupt nicht nötig. Zumindest bei uns nicht. Wirklich gleiches Recht für alle würde vollkommen reichen!


RE: Situation in Norwegen - Exilierter - 13-12-2008

deutsche frauen sollten nicht einen norweger heiraten und dort leben Smile


RE: Situation in Norwegen - p__ - 14-12-2008

Der EuGH befasst sich in Luxemburg mit der Gurkenkrümmung und Schriftgrösse auf Butterpackungen. Du meinst vermutlich den EGMR in Strassburg. Der beurteilt nur Einzelfälle, wenn du einen Haken findest warum ein Aspekt des Unterhaltsrecht menschenrechtswidrig ist und du den gesamten Rechtszug in Deutschland abgeschritten hast, kannst du dich an den EGMR wenden. Bisher hat das jedenfalls noch keiner geschafft.

Die nationale Hoheit im Familienrecht wird streng und eifersüchtig bewacht. Selbst die jüngsten Reformen zu binationalen Ehen gingen nur durch, indem scharfe Grenzen zu nationalem Recht gezogen wurden. Vor allem Schweden wollte seine liberalen Gesetze keinen Millimeter weit umgangen oder aufgeweicht wissen. Die Unterschiede sind allen bewusst. In der Rechtsliteratur kommt das enorm weite Spektrum der Einzelstaaten oft zur Sprache, die Juristen wissen sehr wohl um die völlig unterschiedlichen Wege im Familienrecht, trotzdem werden alle Reformen (nicht nur in Deutschland!) nie von Vorbildern anderer Länder geführt. Jeder sitzt eifersüchtig in seinem eigenen Sandkasten und betont die Inkompatibilität und die "völlig anderen Voraussetzung" seines eigenen Häufchens.

Das zieht sich runter bis zur "Frau von Nebenan". Erzähl ihr was vom skandinavischen Familienrecht, dann kommt oft als Antwort "ja, dort ist halt alles anders, wenn ich hier so eine tolle Kinderbetreuung hätte, dann bräuchte ich auch keinen Unterhalt, fortschrittlich-unterstützende Männer, wir sind noch nicht so weit (O-Ton unserer Ministerinnen), andere Gesellschaft, Frauen verdienen da mehr, bla, bla, bla..."


Norwegen - Gast - 14-12-2008

> Wenn alle Frauen wie die Norwegerin wären bräuchten wir dieses Forum nicht...

Da irrst du dich. Ich will es mal einwerfen, weil es in diesem Forum schon immer unterging. Liegt wohl an der Lokalisierung des Publikums. Es gibt diese Haltung auch in D in groesserer Zahl. Im Osten des Landes. Meine Exfrau z.B. sah die Dinge ganz aehnlich. Es gibt viele Frauen, die das im Osten so handhaben. Auch Juengere, die lernen es von ihren Muettern.
Aber damit ist noch lange nicht alles gut. Kindesentzug findet trotzdem statt, mit allen Haesslichkeiten. Das ist einer der Gruende, warum mir die ganze "Schaedigung durch Kosten" und generell Gelddiskussion immer zu wenig war. Leute werden auch ohne das zerstoert und zwar nicht weniger nach dem Motto: "Na ohne Geldproblem kann es ja so schlimm nicht sein". Ist es aber, m.E. ist es schlimmer. Geldstreitigkeiten helfen z.B. schon zu rationalisieren und innerlich Abstand zu gewinnen. Wer mit seinen Gefuehlen weiter an seiner Exfrau haengt, hat - wieder meiner Meinung nach - ganz andere Probleme. Weil ja auch Maenner Emotionen haben...

Ray

p.s. Disclaimer fuer die Norwegerin. Ich habe deinen Beitrag eher positiv gelesen, alle o.g. Folgerungen muessen auf dich nicht zutreffen.

p.p.s. Etwas bloed, meine Extrabeitraege zu existierendem thread, ich sollte langsam wieder mitschreiben Smile
Allerdings habe ich bald eh keine Gelegenheit mehr dazu, also bleibt es fuer die paar Tage wohl beim Gast.


RE: Situation in Norwegen - Bluter - 14-12-2008

Zitat:Alles andere ist peinlich, unselbstständig und faul.
Es gab einmal eine Zeit, in der haben die Mütter ihre Kinder irgendwie allein durchgebracht.
Die Zeiten waren bestimmt kein Zuckerschlecken und so manche Kinderseele hatte sehr darunter gelitten.
Ein Teil dieser Nachkommen hatte später mit großen soziologischen Problemen zu kämpfen - einige haben diesen Kampf aufgenommen und andere sind vor die Hunde gegangen.

Wenn man diese Mütter heute über die aktuelle Rechtslage informiert, was sie selbst zu keiner Zeit getan haben, weil sie 1. keine Zeit hierfür hatten und 2. der eigene Stolz dies nicht zuließ, dann schaut man in rat- und verständnislose Gesichter.
Die können sich nicht vorstellen, wie abgebrüht und ungeniert sich die heutigen Mütter bedienen können und dies auch tun.
Wenn man dann noch bildhaft darstellt, dass die sich geben wie die Russen am Urlaubsbuffet, fällt die Klappe und die Ratlosigkeit schlägt um in Fassungslosigkeit.
Da hört so mancher Sohn wirre Erklärungs- und Entschuldigungsversuche und zieht entnervt von dannen.
"Auf so eine Idee wäre ich ja nie gekommen!"
"Schwacher Trost, aber danke Mama!"
Das EMMA-Gezeter hatte offenbar mit gewissem Delay sein Ziel erreicht, obgleich ebendie angesprochene Generation sich überhaupt nicht angesprochen fühlte.
Norwegen heute pendelt demnach irgendwo zwischen 1980 und 2040, deutscher Kalender.


RE: Norwegen - p__ - 14-12-2008

Nun meld dich halt wieder an, dauert nur zehn Sekunden, ich sortier den Thread dann um ;-)
Zu Norwegen möchte ich darauf hinweisen, dass in der Liste auch jede Menge nichtmonetäre, aber sehr gewichtige Dinge stehen. Mitwirkung der Kinder, gemeinsames Sorgerecht auch für Nichteheliche, die Schlichtungspflicht (halte ich für EXTREM wichtig), der vereinfachte Scheidungsvorgang mit seinen grundlegenderen Konsequenzen, das hat mit Geld alles nichts zu tun und wurde durchaus nicht unterschlagen.


RE: Norwegen - Ray - 15-12-2008

(14-12-2008, 23:54)p schrieb: die Schlichtungspflicht (halte ich für EXTREM wichtig),

Sehe ich genau so. Leider kennt die deutsche Praxis bis auf 'private' Ausnahmen (Cochem) nur die komplett zahnlose Mediation, die keinerlei rechtliche Relevanz haben darf. Aber selbst das reicht schon, eine Exfrau ins Schwitzen zu bringen, wenn sie einmal von Angesicht zu Angesicht argumentieren muss. Wie gesagt aber ohne Folgen.


RE: Situation in Norwegen - p__ - 15-12-2008

Wer Prozesskostenhilfe beantragt, muss in Deutschland unter anderem nachweisen dass er nicht mutwillig klagt. Dafür sind aussergerichtliche Einigungsversuche vorzulegen, ansonsten fehlt das Rechtsschutzbedürfnis.

Der Weg ist gar nicht weit und es wäre auch systembedingt in Deutschland kein Problem, die Einigungsversuche stärker zu formalisieren und genauer zu definieren, nämlich als Schlichtung oder Mediation bei einem qualifizierten Schlichter, dessen kurzer Bericht (am Besten nach genauen Vorgaben was drinzustehen hat verfertigt) dem Antrag beiliegen muss.

Was mich an Cochem u.a. stört, ist der grosse (und teure) Bahnhof, der da sofort gemacht wird. Der erste Schritt sollte erst einmal auf Eltern und Schlichter konzentriert sein. Wenn das misslingt, dürfen sich Richter, Anwälte, Jugendamt etc. dazusetzen.


RE: Situation in Norwegen - p__ - 26-10-2009

Hier noch ein paar englische Informationen über Trennungen in Norwegen:
http://www.regjeringen.no/upload/kilde/bfd/bro/2000/0008/ddd/pdfv/258469-separation_and_divorce_-2005.pdf , ist aber etwas veraltet.

Was es aber auch wieder interessant macht, ab Seite 10 kommt nämlich das Gesetz, §26 enthält detaillierte Regelungen über Mediation. Stand 1991. Also seit fast 20 Jahren Standard in Norwegen! Das ist wie ein Faustschlag gegen all die Kritikschwätzer und ewigen Ausprobierer, die so etwas für unpraktikabel, unmöglich, nachteilig halten oder es so verbiegen, dass Richter trotzdem regieren und Anwälte kassieren können.